
...war mein erster Gedanke als ich Bara am vergangenen Samstag sah, als sie nach ihrer 12-stündigen Reise nach Deutschland aus ihrer Transportbox geholt wurde und vor Angst erstarrt vor mir saß.
Das obige Foto zeigt sie in der spanischen Tötungsstation und ist wohl schon etwas älter.
Sie ist unser erster "Pflege"-Hund, der diese Bezeichnung wirklich verdient. Bisher kamen unsere Pflegehunde munter und unternehmungslustig in Deutschland an und konnten es kaum erwarten voller Energie in ein neues Leben zu starten.
Bara, die wir Maja nennen werden, weil dieser Name besser zu der zarten Hündin zu passen scheint, ist da ganz anders.
Dass ihr Äußeres pflegebedürftig ist, sah man auf den ersten Blick: Das wenige Fell brüchig und stumpf, Filzstränge hingen am ganzen Körper, die Haut an Pfoten und Hinterbeinen aufgeknabbert, auf der ungeschützten Haut viele Zecken und mehrere kleine zum Teil entzündete Wunden. Auch an ihrem Geruch - sowohl Fell als auch Maul - war deutlich zu erkennen, dass sie schon lange keine Pflege mehr genossen hat.
Viel schwerer als die äußeren Verletzungen wiegen aber bei Maja die inneren. Ungeheuer vorsichtig und überängstlich aber doch so liebebedürftig und anhänglich ist sie hin- und hergerissen zwischen Zutraulichkeit und Angst. Auf der einen Seite sucht sie menschlichen Schutz sobald sie ein wenig Vertrauen gefasst hat, auf der anderen Seite kann eine unbedachte Bewegung sie in die Flucht schlagen, wo sie sich in "sicherer" Entfernung zusammenkauert oder auf den Rücken dreht. Kommt man ins Zimmer und sieht sie an zeigt sie Beschwichtigungssignale oder ergreift die Flucht.
Ein Feuerwerk, dass das Friedrichsthal Stadtfest an ihrem zweiten Abend bei uns beenden sollte, ließ sie fast eine Stunde zittern und hecheln.
Dass ihre Hausleine sich an ihrem dritten Morgen bei uns in einem Korb verfangen hat und sie so plötzlich im Lauf gestoppt wurde, ließ sie vor Panik zitternd zusammensacken und es dauerte eine ganze Weile, bis sie einen neuen Versuch unternahm sich zu bewegen.
Draußen fühlt sie sich so unsicher, dass sie sich zu Anfang gar nicht lösen konnte. Inzwischen hat sie zumindest den Garten als halbwegs sichere Zone eingestuft.
Was für andere Hunde das Highlight des Tages ist, versetzt sie in Angst und Schrecken: Spaziergänge! Sie zeigt deutlich, dass sie gestresst und unsicher ist. Nur ganz selten reagiert sie auf auf ihre Umgebung, z. B. auf Vögel und interessante Gerüche, doch dann kommt ihr sicher ausgeprägter Jagdtrieb zum Vorschein und lässt sie für kurze Zeit ihre Angst vergessen.
Auch beim Nachhausekommen oder dem morgendlichen Aufstehen vergisst sie vor lauter Wiedersehensfreude kurz ihre Angst und freut sich überschwänglich.
Im Haus bewegt sie sich inzwischen (nach 3 Tagen) schon recht entspannt und hat zwei Liegeplätze in "geschützten" Ecken zu ihren Lieblingsplätzen erkoren. Dort fühlt sie sich sicher und kann sich entspannen.
Ihr Stresslevel hat großen Einfluss auf ihren Appetit. Daher frisst sie kaum.
Mit unseren beiden Hunden hat sie bisher keine Probleme, denn sie reagiert schon auf die kleinsten Anzeichen von Ablehnung. Auch scheinen die beiden ihre Unsicherheit und Angst zu erkennen und bedrängen sie nicht. Bis Maja spielen wird oder positives Interesse an ihrer Umgebung zeigt wird sicher noch viel Zeit ins Land gehen.
Inzwischen hat sie ein Bad, Fellpflege und die Gestaltung einer neuen "Frisur" über sich ergehen lassen und man kann nun erkennen, was für eine hübsche Hündin sie sein wird, wenn ihr Fell nachgewachsen ist und sie wieder "gelernt" hat, sich aufrecht und entspannt zu bewegen.
Seit gestern trägt sie ein ein D.A.P.-Pheromon Halsband und bekommt eine Bachblüten-Mischung für ängstliche Tiere. Ich hoffe, dass sie dadurch in eine entspanntere Grundstimmung kommt, so dass sie wieder "lernen" kann.
Leider macht ihr der Fotoapparat solche Angst, dass es noch keine neuen Fotos von ihr gibt, aber sobald sie mir ein Foto-Shooting erlaubt, werde ich hier zeigen, wie hübsch die Kleine ist.
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